Geschichte

Weihenstephaner Berg

Ruine der Asamkapelle

Schon im frühen 8. Jahrhundert stand auf dem Berg die Stephanskirche.
Als der Hl. Korbinian 724 in Freising ankam, richtete er sich dort eine Zelle ein, und der Berg wurde zum Ausgangspunkt seines Wirkens. 843 wurde das Kollegiatstift St. Stephan gegründet (durch Bischof Hitto), das 909 zusammen mit dem Stift St. Veit durch die Ungarn zerstört wurde.

Der Name „Wihanstephan“ (Weihenstephan) findet man erstmals 1003, in einer Schenkungsurkunde an die beiden Stifte. St. Stephan wurde 1021 durch Bischof Egilbert in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das bis zur Säkularisierung 1803 bestand.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die wissenschaftliche Ausbildung in Freising auf dem Domberg (sog. Lehrberg) zu finden, während der Klosterberg Weihenstephan die Brauerei beherbergte – deswegen auch „Nährberg“ genannt.

Zeittafel: Entwicklung des Hochschulstandortes Weihenstephan

  • 1803  Gründung der "Musterlandwirtschaftsschule" und der "Kurfürstlichen Centralbaumschule Weihenstephan". Erster Lehrer war Max Schönleutner
  • 1807  Schließung der Schule aufgrund der napoleonischen Kriege (1792 – 1815)
  • 1822  Wiedereröffnung der Landwirtschaftsschule in Schleißheim und 1852 Verlagerung nach Weihenstephan
  • 1855  Gründung der Bayerischen Hauptversuchsanstalt für Landwirtschaft durch Justus v. Liebig
  • 1895  Weihenstephan wird zur "Königlichen Bayerischen Akademie für Landwirtschaft und Brauereien"
  • 1928 - 1930 Eingliederung der Weihenstephaner Akademie in die Technischen Hochschule München (spätere TUM)
  • 1970  Planmäßiger Ausbau des Campus, Mensa und Zentrales Hörsaalgebäude mit Praktikabau
  • 1998  Verlagerung der TUM Biologie nach Weihenstephan
  • 1999  Forstwissenschaften der LMU gehen an die TUM über
  • 2000  Gründung des Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt: die drei am Standort existierenden Fakultäten „Landwirtschaft und Gartenbau“, „Brauwesen, Lebensmitteltechnologie und Milchwissenschaft“ sowie „Forstwissenschaft“ werden mit der TUM-Biologie zu einer neuen, interdisziplinär aufgestellten Fakultät zusammengeschlossen


Das WZW heute

Derzeit lehren und forschen rund 80 Professorinnen und Professoren im TUM-Wissenschaftszentrum Weihenstephan, das ein Brennpunkt der Life Sciences geworden ist. Heute verbindet der zum Life Science-Campus ausgebaute „grüne“ Standort der TUM in einzigartiger Weise Tradition und Moderne, Heimat und Welt. Hunderte Wissenschaftler forschen hier interdisziplinär, um existenziellen Herausforderungen wie Welternährung, Rohstoffmangel und Klimawandel zu begegnen. Tausende Studierende bereiten sich hier auf ihre Berufe mit Zukunft vor.

Korbinian (Sankt Korbinian)

Der französische Wanderbischof Korbinian kam 724 auf dem Weg nach Rom erstmals nach Freising. Der Legende nach fraß ein hungriger Bär das Maultier Korbinians. Da er nun kein Lasttier mehr besaß, hat der Heilige den Bären gezähmt. Der Bär hat daraufhin das Gepäck Korbinians nach Rom tragen müssen, wo er dann freigelassen wurde. Der Bär mit Gepäck ziert bis heute das Stadtwappen Freisings.

Asamsaal (Festsaal)

Asamsaal in der Verwaltung der TUM Weihenstephan

Der Asamsaal ist einer der letzten vom Kloster erhaltenen Räume und wurde früher als Speisesaal für Gäste genutzt. Die Decke des Festsaals ist mit einem Deckengemälde und aufwändigem Stuck geschmückt. Der Stuckdekor besteht unter anderem aus Muscheln, Engelsköpfen und Palmwedeln und wird Nikolaus Liechtenfurtner zugeschrieben, der auch die Maximilianskapelle am Freisinger Dom dekoriert hat.

Das Deckengemälde ist von Georg Asam, dem Vater der berühmten Brüder Asam, und stammt – wie der Stuck auch – aus einer Umbauphase in den Jahren 1705-1710. Es ist aber auch möglich, dass der junge Cosmas Damian Asam parallel mit seinem Vater daran gearbeitet hat. Die Deckenbilder bestehen aus einem großen Mittelbild und vier kleineren Eckbildern, die Szenen aus dem Leben des Hl. Benedikt zeigen. Er hatte sich, um sich zu züchtigen, in Dornen gewälzt, welche sich dann in Rosen verwandelt hatten.

Schönleutner, Max

Der erste Lehrer der 1804 errichteten Landwirtschaftsschule war Max Schönleutner. Sein Unterrichtsziel: theoretische Wissensvermittlung in Kombination mit praktischer Erfahrung. Wegen der damaligen Napoleonischen Kriege mussten viele Bauern Kriegsdienst leisten, daher herrschte von Anfang an Schülermangel. 1807 musste die Schule wieder geschlossen werden, und Schönleutner wurde Administrator der Staatsgüter Schleißheim und Fürstenried, sowie der Weihenstephaner Brauerei.

Schönleutner war ein Pionier des wissenschaftlichen Landbaus in Deutschland. Er war der Überzeugung, dass nur die verstärkte Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse landwirtschaftliche Fortschritte bringen konnte. Unter anderem führte er den Fruchtwechsel ein, betrieb Samenzucht, pflanzte Obstbäume an den Straßen und förderte neue technische Entwicklungen der Landwirtschaft. Außerdem veröffentlichte er mehrere Berichte und Bücher über die Bewirtschaftung der von ihm betriebenen Staatsgüter. Da er schon 1831 an den Folgen eines Schlaganfalls starb, konnte er einige geplante Werke nicht verwirklichen.

Korbiniansbrünnlein

Das Brünnlein ist der ehemalige Standort der Korbinianskapelle. Sie wurde 1720 von den Gebrüdern Asam ausgestaltet und ist daher auch als „Asamkapelle“ bekannt. Sie wurde 1803 während der Säkularisierung abgerissen. Die Asamkapelle war die zweite an diesem Standort, da schon 1608 eine Kapelle errichtet worden war. Diese war über einem ehemaligen Wallfahrtsort – der Quelle – gelegen. Diese Quelle war der Legende zufolge vom Hl. Korbinian bei einem Besuch in der St. Stephanuskirche erweckt worden, um den durstigen Handwerkern zu helfen. Dem Quellwasser wurden heilende Eigenschaften zugesprochen, unter anderem bei Fieber, Aussatz, Atemwegs- und Augenbeschwerden. 1715 wurde oberhalb der Kapelle – und der heilenden Quelle – ein Krankenhaus errichtet. Es lag auf gleicher Höhe mit dem Klostergarten und besaß zwei Krankenzimmer. Als die Gebeine Korbinians nach seinem Tod in 730 nach Mays überführt und in der Kirche des Hl. Valentin begraben wurden, versiegte die Quelle angeblich. Der Legende zufolge ist die Quelle erst wieder erwacht, als Bischof Arbeo den Leichnam des Heiligen 765 zurück nach Freising brachte. Die Ruine der Asamkapelle ist die einzige noch erhaltene Kirchenruine der Säkularisation in Bayern.